Fallbeispiele (2009 – 2012)

Fallbeispiel 1

„Sein Leben kommt nach und nach in Ordnung, es ist ein kleines Wunder“.

Ein Mann, gebürtig aus Ungarn, mit psychischer Grunderkrankung, der aber immer als erfolgreicher Geschäftsmann tätig war, gerät durch eigenes und fremdes Verschulden sowie Schicksalsschläge an den Rand der Obdachlosigkeit und landet in verschiedenen Männerübergangsheimen in Frankfurt. In einer Einrichtung wurden ihm die Zähne ausgeschlagen in einer anderen zog er sich eine gefährliche Darmerkrankung zu. Auch gab es Probleme mit der Krankenkasse, die die Kosten für seine Behandlung nicht übernehmen wollte. In einer Essensstelle für Obdachlose kam er in Kontakt zu GzzA und wurde durch den Verein seelsorgerisch betreut. Durch die Einschaltung eines Rechtsanwaltes konnten die größten Probleme nach und nach geordnet werden. Anfang des Jahres 2012 bezog er wieder eine kleine Wohnung, und sein Leben kommt allmählich in Ordnung.

Fallbeispiel 2

„Würdet ihr uns aufnehmen, wenn wir rausgeklagt werden?“

Ein älteres Ehepaar, ehemals erfolgreich als Geschäftsleute tätig, sah sich durch ungünstige Geschäftsentwicklungen einer Räumungsklage ausgesetzt und stand ohne Einkommen und Wohnung da. Die Erste Vorsitzende des Vereines nahm die beiden dann samt Hund für sechs Wochen auf. Kurze Zeit später starb der Mann überraschend, vermutlich konnte er den Druck des Lebens doch in seinem Alter nicht mehr standhalten. Seine Witwe geriet dadurch in eine
schwere psychische Krise und musste einige Monate in stationäre Behandlung. Während
der ganzen Zeit wurde sie vom Verein weiter betreut. Inzwischen konnte ihr Leben wieder geordnet werden, sie lebt in ihrer eigenen kleinen Wohnung und in einer neuen Partnerschaft.

Fallbeispiel 3

„In eine Mietskaserne lasse ich mich nicht stecken!“

Ein Mann hat mit seinen Tieren lange auf der Straße gelebt, mit allem was dazu gehört: Karriere als Heimkind, Jugendstrafe, Gefängnisaufenthalt und immer noch auf der Suche nach den Antworten des Lebens einerseits und der Sehnsucht nach Freiheit andererseits. Nein, in eine Mietskaserne wolle er nicht, aber das Leben auf der Straße wird langsam auch zu hart. Glücklicherweise wurde dem Verein dann ein Grundstück zur Verfügung gestellt. Dort kann er offiziell mit seinem Wohnwagen bleiben und sein Leben in Freiheit gestalten.

Fallbeispiel 4

„Auch Menschen auf der Straße werden älter“

Seit einer Winterspeisung im Jahr 2009 besteht Kontakt zu einem Mann in den Sechzigern, der im Bahnhofsviertel auf der Straße lebt. Es war sehr schwer, überhaupt Zugang zu ihm zu bekommen. Zu groß war sein Misstrauen. Aber allmählich wurde ein Kontakt zu ihm aufgebaut. Jetzt finden regelmäßig seelsorgerische Gespräche statt. Sein Gesundheits-zustand ist jedoch derzeit nicht gut.

Fallbeispiel 5

„Schauen Sie doch bitte mal nach meiner Schwester“

Eine Frau ruft an: Schauen sie doch bitte mal nach meiner Schwester. Diese Schwester ist eine alte Dame, die krebskrank in einer kleinen verwahrlosten Dachwohnung im Bahnhofsviertel lebt. Die Wohnung muss aufgebrochen werden, weil die Bewohnerin niemanden öffnet. Es ist höchste Zeit, denn sie ist in einem sehr schlechten Gesundheitszustand. Es wird für sie ein Platz im Pflegeheim organisiert, wo sie gut untergebracht ist. Dort wurde sie bis zu ihrem Tod regelmäßig vom Verein besucht.

Fallbeispiel 6

„Hier zeigt sich, welche Bereicherung jeder Mensch ist“

Seit einigen Jahren gibt es einen regelmäßigen Kontakt zu einem Mann, der in seinem Leben gerne so „manches Ding gedreht“ hat, der in einer Obdachlosenunterkunft lebt. Gerne gibt er auch seine „Abenteuer“ zum Besten. Das ist die eine Seite. Die andere, dass er seine langjährige Lebensgefährtin in schwerer Krankheit gepflegt hat. Neben regelmäßigen Gesprächen wurde ihm auch in dieser schwierigen Lebenssituation Beistand geleistet, so auch als die Lebensgefährtin verstarb.

Fallbeispiel 7

„Ich bin allein, obdachlos, meine Frau hat mich verlassen“

Es kommt ein Anruf aus der Psychiatrie: Können Sie mich besuchen? Ich bin allein, obdachlos, meine Frau hat mich verlassen. Hier gab es menschlich gesehen keine Hoffnung mehr auf ein Leben in einem normalen Umfeld. Ein Leben, durch das sich Gefängnis- und Psychiatrieaufenthalte wie ein roter Faden gezogen haben. Kurzerhand wurde vom Verein die Betreuung übernommen. Nach einem halben Jahr kann man sagen: der Mann hat sich wieder stabilisiert und ist dabei, sein Leben neu zu ordnen. Eine eigene kleine Wohnung wurde bezogen und die Ausbildung nach der langen Krankheitsphase wieder augenommen.

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